„Es war schon immer mein Traum, als Hebamme zu arbeiten, weil ich diese Arbeit als sehr sinnstiftend empfinde“, sagt Otte. Erfüllt hat sich die Mutter von zwei Söhnen diesen Wunsch allerdings erst später. Bis 2021 arbeitete die Dipl.-Verwaltungswirtin im öffentlichen Dienst, war nebenberuflich aber bereits als Stillberaterin tätig und bot Kurse für Babymassagen und Rückbildung in Uslar an. „Es hat mich gestört, dass es in dieser Gegend keine Angebote für junge Eltern gab.“
Mit Mitte 30 entschied sich Otte für den beruflichen Neuanfang und begann ein Studium der Hebammenwissenschaften in Göttingen, das sie im März 2025 erfolgreich abschloss. Heute begleitet sie Frauen und Familien vor, während und nach der Geburt – von Vorsorgeuntersuchungen und Beratung über Geburtsvorbereitung bis hin zur Betreuung im Wochenbett. Darüber hinaus steht sie ihnen auch beim Stillen, bei der Rückbildung und in besonderen Belastungssituationen zur Seite.
„Ich freue mich sehr, dass wir Jessica Otte mit unserem Förderprogramm auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen können. Gerade im ländlichen Raum ist es wichtig, dass Familien rund um Schwangerschaft und Geburt gut begleitet werden“, so Harald Rode.
Hintergrund
Seit 2019 fördert der Landkreis Northeim die Hebammenversorgung. So können freiberufliche Hebammen bei einer Niederlassung im Kreisgebiet einen Zuschuss von 3000 Euro beantragen. Zudem werden die Wochenbettbetreuung und die Anleitung von Studierenden der Hebammenwissenschaft finanziell unterstützt. Auch für berufliche Fortbildungen stehen 300 Euro zur Verfügung.
Im vergangenen Jahr profitierten 36 Hebammen von Zuwendungen für die Wochenbettbetreuung, darunter acht aus Nachbarkreisen, die im Landkreis Northeim tätig sind.
Grundlage ist die „Richtlinie Hebammenversorgung“, die der Kreistag im September 2025 verlängert hat und die bis Ende 2030 gilt. Dafür stehen jährlich 30.000 Euro im Kreishaushalt zur Verfügung.
Die Richtlinie ist unter www.landkreis-northeim.de/fruehehilfen einsehbar. Für Fragen ist in der Kreisverwaltung Michaela Unger telefonisch unter 05551 / 708 81224 zu erreichen.